Verraten und verkauft – das deutsche Bienenmonitoring
Walter
Haefeker
Deutscher Berufs - und Erwerbsimkerbund
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Nach
nunmehr 2 Jahren Mitarbeit ist der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund kurz
davor sich vom Projekt Bienenmonitoring zu verabschieden. Ausschlaggebend dafür
ist, dass trotz wiederholter Anläufe des DBIB es von der Industrie abgelehnt
wird, die Untersuchungen in gleichwertigem Umfang auf die Pflanzenschutzmittel
auszudehnen.
Nachdem einige Imkervertreter Verwunderung über dieses Vorgehen geäußert hatten,
wurde die Sache dadurch gelöst, daß die Firma Bayer selbst einige
Laboruntersuchungen vornahm - alles ohne Befund.
Im zweiten Jahr verzichtete man dann ganz auf Untersuchungen in dieser Richtung,
weil die Untersuchungen zu teuer seien. Man hat stattdessen beschlossen die
Proben einzufrieren und diese erst nach Bedarf auf
Pflanzenschutzmittelrückstände zu untersuchen.
Damit war dieses Thema erst mal auf Eis gelegt. Stattdessen wurde im
Projekthaushalt viel Geld für alle möglichen Untersuchungen auf verschiedene
Bienenkrankheiten und Ähnliches eingestellt.
Einen Haushaltsposten für unabhängige Laboruntersuchungen auf
Pflanzenschutzmittel gab es damit erst gar nicht!
Auch hat man sich nicht die Arbeit gemacht, zu recherchieren, welche PSM
(Pflanzenschutzmittel) in der näheren Umgebung der Bienenvölker eingesetzt
wurden. Somit ist es ein leichtes zu sagen, dass es nicht möglich ist
zielgerichtet auf bestimmte PSM hin zu untersuchen.
Und so konnte man sich getrost auf den wichtigsten Teil des Projektes stürzen:
die Pressearbeit.
Dort wurde wirklich gründliche Arbeit geleistet. Dort wurde nichts auf Eis
gelegt. Die Türen der Bundespressekonferenz standen plötzlich offen. Der
Blätterwald rauschte. Vorträge wurden gehalten. Der Deutschlandfunk berichtete
schon während die Projektmitglieder noch tagten. Im Beitrag des Deutschlandfunks
wurde sogar erzählt, dass das Monitoring gezeigt hätte, daß die Gentechnik keine
Gefahr für die Imkerei sei. Dabei war dies überhaupt nicht Gegenstand der
Untersuchungen.
Aber wenn man Geld in die Hand nimmt, um Ruhe an der Imkerfront zu bekommen,
dann muss man natürlich versuchen den PR-Gewinn zu maximieren.
Wir haben versucht einen Mitschnitt der Sendung zu bekommen.
Der Deutschlandfunk behauptet, er habe keinen, weil die Sendung extern im
Auftrag des Bauernverbandes produziert worden sei. Beim Bauernverband behauptet
man davon nichts zu wissen.
Der Mitschnitt ist bis heute verschollen!
Der DBIB hat am so genannten "Runden Tisch" am 9. November nochmals seine
Kritik-Punkte vorgebracht. Das Resultat war, dass diese in dem von Deutschen
Bauernverband erstellten Protokoll nicht einmal erwähnt wurden.
Was man nicht haben will, das wird einfach tot geschwiegen. All das hat unseren
Argwohn geschürt und es liegt der Verdacht nahe, dass das Bienenmonitoring nur
dem Ziel dient, die Imker ruhig zu stellen und der Industrie Zeit zu schaffen,
um weiterhin ungestört die Pflanzenschutzmittel die in der Kritik stehen,
ausbringen zu können.
Und Gründe dafür gibt es genug.
Was die Industrie anbelangt so darf man erwarten, dass keine Gelder ausgegeben
werden, die nicht in mittelbarer oder unmittelbarer Weise zum Gewinn des
Unternehmens beitragen. Das Aktienrecht verbietet Konzernen ausdrücklich
uneigennützige Wohltätigkeit. Die Aktionäre könnten in so einem Fall den
Vorstand wegen Zweckentfremdung der Mittel verklagen. Aber mit der Finanzierung
dieses Projektes herrscht für die Dauer des Projekts Ruhe an der Front.
Jegliches Ansinnen, bienengefährliche Wirkstoffe so wie in Frankreich zu
behandeln, kann mit dem Hinweis auf die laufenden Untersuchungen auf die lange
Bank geschoben werden. Das sichert Millionenumsätze über Jahre. Da darf man
ruhig schon mal in die Portokasse greifen.
Vor diesem Hintergrund wundert es auch nicht, wie durchsichtig das Ganze ist,
wenn der Vertreter der Industrie die Presseerklärung für den runden Tisch
bereits vor der Sitzung auf seinem Laptop vorbereitet hat und diese
Presseerklärung eine Generalabsolution für die Geldgeber darstellt, viele andere
mögliche Ursachen anführt, auf sehr gute Honigerträge in diesem Jahr verweist,
ohne auch nur mit einem Wort die am "Runden Tisch" geäußerten Bedenken der
Imkervertreter zu erwähnen.
Beim Thema der neuen Wirkstoffe bei der Beizung von Rapssaatgut wurde ein
weiteres Ziel des Runden Tisches klar. Der Vertreter von Syngenta erregte sich
sehr darüber, dass Imker in der Frage der fehlenden Zulassung von ELADO direkt
bei verschiedenen Behörden aktiv geworden sind. Man müsse solche Sachen am
"Runden Tisch" klären. Sonst könne er in seiner Firma die Zurverfügungstellung
der Mittel für das Monitoringprojekt nicht mehr rechtfertigen.
Was die Bieneninstitute anbelangt, stellt sich die Frage, warum dort alles
kritiklos hingenommen wird?
Für die Institute bedeutet das Bienenmonitoring erst einmal, dass zusätzliche
Gelder zur Verfügung stehen.
Natürlich ist der Verdacht, es handele sich bei diesem Projekt um eine rein
industriefinanzierte Gefälligkeitsstudie, sehr kränkend für die beteiligten
Institute.
Daher weist man auch darauf hin, dass das Monitoringprogramm nicht nur von der
Industrie finanziert sei, sondern die Institute inzwischen auch noch etwa den
gleichen Betrag durch Eigenleistung beisteuern.
Nun machen die Institute das nicht in ihrer Freizeit, sondern mit Mitarbeitern
und Ressourcen, die eigentlich aus anderen Töpfen und zu anderen Zwecken
finanziert werden.
Hier sei die Frage erlaubt, welchen Anteil die Institute an den
EU-Imkerfördergelder im Rahmen der EU VO 1221 bekommen und warum dieser nicht an
die Imker geht? Und wenn schon die Imker die volle Einbeziehung der
Pflanzenschutzmittel fordern, warum diese Gelder dann nicht dafür ausgegeben
werden? Ein Kunstgriff der Industrie ist, dass die Mittel nicht zu Beginn des
Projektes auf einmal gezahlt werden, sondern jährlich abgerechnet wird. Damit
könnte das Projekt jederzeit abgeblasen werden, so etwa auch wenn unerwünschte
Ergebnisse zu Tage kommen sollten. Damit ergibt sich bei den beteiligten
Instituten eine Interessenkonflikt: bei unerwünschtem Ergebnis ist eventuell das
Geld weg. Was hier bleibt ist ein "Geschmäckle".
Man hält es in den Reihen der Institute auch für normal, dass die nächsten
Presseaktionen und Vortragsserien geradezu generalstabsmäßig vorbereitet werden,
obwohl bei dem Projekt bisher kaum etwas herausgekommen ist, das einen solchen
Rummel rechtfertigen könnte. Man muss aber wohl jedes Jahr eine neue Sau durchs
Dorf treiben können, denn so ist die Ablenkung von der ursprünglichen
Fragestellung perfekt.
Der Vorwurf an die Institute ist nicht, dass sie Ergebnisse manipulieren,
sondern, dass sie sich nicht vehement an die Seite der Imker stellen und
fordern, dass ausgewogen in alle Richtungen auch bei PSM untersucht wird.
Die Institute berichten voller Stolz, dass das deutsche Projekt in Europa große
Beachtung finde. In Frankreich mit den dortigen Imkerverbänden sei so etwas
nicht möglich, würden Kollegen aus den anderen Ländern sagen.
Aus unseren Gesprächen mit den französischen Imkern wissen wir aber, wie das
Monitoring dort tatsächlich gesehen wird. Bei einem Treffen verschiedener
europäischer Imkerverbände in Paris zum Thema Pflanzenschutzmitel, das die COPA
verhindern wollte, wurde uns von unseren Kollegen höflich aber deutlich gesagt:
"Nur in Deutschland sind die Imkerverbände naiv genug, sich für diese
PR-Strategie der Industrie herzugeben. Ihr macht euch damit nicht nur
lächerlich. Ihr schwächt auch die Position der Imker in den anderen EU-Ländern."
Die Sorgen unserer europäischen Kollegen sind berechtigt. Die Europäisierung des
deutschen Bienenmonitorings wird bereits vorangetrieben, denn die Ergebnisse
dieses Projekts sollen auch dazu verwendet werden, die Pflanzenschutzmittel in
anderen Ländern aus der Schusslinie zu bekommen. Wir erweisen unseren
europäischen Imkerkollegen einen Bärendienst, wenn wir uns als Feigenblatt für
ein Projekt hergeben, bei dem eine unabhängige ergebnisoffene Forschung von
seiner Struktur her nicht garantiert ist.
Natürlich sollten wir Imker daran interessiert sein, dass ein echtes Monitoring
statt findet. Die Initiative dafür ging, wie oben erwähnt, eigentlich von
unserem Verband aus. Wir müssen uns weiter für ein Projekt stark machen, das
ausschließlich mit öffentlichen Mitteln so finanziert wird, dass glaubwürdige
Ergebnisse möglich sind. Wir müssen dafür sorgen, dass die Bieneninstitute aus
diesem schlimmen Interessenkonflikt befreit werden und unabhängig arbeiten
können.
Unser Ziel ist es nicht, dieses oder jenes Pflanzenschutzmittel verboten zu
bekommen. Unser Ziel muss es sein, zu lernen, was wir selbst in unserer
Betriebsweise besser machen können und was diejenigen, die die Kulturlandschaft,
in der unsere Bienen leben und überleben sollen, besser machen können, damit die
vielen Faktoren, die unsere Bienen immer mehr schwächen, Schritt für Schritt
positiv verändert werden können.
Dazu gehört nicht nur aber auch eine tief greifende Reform der
Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln.
Das deutsche Bienenmonitoring in der jetzigen Form bringt uns auf diesem Wege
nicht weiter, sondern ist dazu angelegt uns auszubremsen. Wir haben es uns zwei
Jahre lang angeschaut. Viele Mitglieder unseres Verbandes waren daran beteiligt.
Wir haben guten Willen gezeigt und einen großen Vertrauensvorschuss gegeben,
indem wir trotz erheblicher Zweifel unsere Mitglieder zum Mitmachen aufgefordert
haben. Was wir uns vielleicht selber vorwerfen können ist, so lange gewartet zu
haben bis wir in dieser Weise unseren Standpunkt Nachdruck verleihen.
Leider ist es uns nicht gelungen, den überwältigenden Einfluss der Industrie in
vertretbaren Grenzen zu halten. Im Interesse aller Imker müssen wir daher
unseren Mitgliedern empfehlen, ihre Mitarbeit bei diesem Projekt einzustellen,
falls unsere seit langem bekannten Forderungen nicht endlich umgesetzt werden.
Hier also noch einmal unser Forderungskatalog:
Wenn die Industrie wirklich davon überzeugt ist, dass es sich hier um ein
Varroa-Problem handelt, wäre es doch ratsam sich in der Frage der
Varroabekämpfungsmittel im Sinne der Imker zu verwenden.
Auch in der Frage der Methodik bei den Untersuchungen auf Bienengefährlichkeit
für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln hat es keine Fortschritte gegeben.
Die Statistiken der BBA über das Ausmaß von Bienenschäden in Deutschland
scheinen nur deshalb zu sinken, weil die Dunkelziffer wächst.
Wie gesagt, die oben genannten Forderungen sind für die Organisatoren des
Monitoringprojektes sicher nicht neu. Leider wurden die letzten zwei Jahre nicht
genutzt, um sich Vertrauen in der Imkerschaft zu erarbeiten.
Gleichzeitig wurde bei den Fragen, die uns wirklich beschäftigen, viel Zeit
verloren und Gelder in das Bienenmonitoring umgeleitet. Wir empfehlen daher es
mit Erich Kästner zu halten:
"Was immer auch geschieht: Nie sollt Ihr so tief
sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!"
Walter Haefeker
Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund
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